Review Terrorverlag
Grenzflächig breiten sich Soundmodule aus, um sich selbst zu desensibilisieren. Bei dem von IVERSEN explizit für EINZELEINHEIT komponierten und/ oder programmierten Album „Wiederkehrende Welten“ werden Mikrosounds zu einem ganz eigenen Klanggebrechen verarbeitet. Schriller Noise, weich in Ambient gebettet, bildet das Grundgerüst einer Kollage, welche an die Existenz fremder Lebensformen glauben lässt. Die schlichte Aufmachung lässt nicht so viel Experimentierfreude, wie sie JAN-M IVERSEN letztendlich an den Tag legt, vermuten. Dies gestaltet das Hören kurzweilig. Doch wird dieser Umstand mitunter von dem Gedanken begleitet, dass die Produktion von solcherlei Tonfragmenten und Antworten aus dem Weltall als Resonanz auf Beethovens Neunte, bestimmt mehr Spaß gemacht hat als der Genuss desselben.
Doch ist Spaß sicher nicht der Zieldrehpunkt der von IVERSEN in Selbstexploration erschaffenen Schnittstelle zwischen Spiel und konkreter Suche nach dem Zentrifugalpunkt der wiederkehrenden Welten. Vielmehr vermitteln Loops und diffuse Undurchdringlichkeiten im Klang ein Gefühl der Ausweglosigkeit, die im Symbol der ewigen Wiederkehr fast schon spirituelle Kraft gewinnt. Die Stärke der zuweilen willkürlich entstanden erscheinenden Kompositionen liegt tatsächlich in der Dichte der ausgespielten Möglichkeiten. Hier treffen die vielen Welten der möglichen Soundprogrammierung aufeinander und verbinden sich in ein Gesamtkonzept, dass ganz klar im Sinne von EINZELEINHEIT Schnittstellenmusik verkörpert, die sich zwischen der Person IVERSEN, dessen Impulse, der Musik eine Unverkennbarkeit verleihen und dem Medium Technik, welches Musik abstakt werden lässt, sie anschließend dekonstruiert, um sie dann wieder neu entstehen zu lassen.
By kw
