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shadowshire


Ich erinnere mich noch gut an einen Bekannten, der mir irgendwann freudestrahlend berichtete "Ich habe Musik mit einem kaputten Röhrenradio aufgenommen!" und an einen anderen, der mir eines Tages meine November Noevelet- und Haus Arafna-CDs wiedergab mit den Worten "Du, die sind irgendwie kaputt!". 'Schwester Thelesitis' aus dem Hause Naarmann und Neiteler geht ebenfalls irgendwie in die Richtung dieser beiden Dinge.

Dass der Silberling nichts für den alltagsmusikgeschädigten Hörer ist, der eher auf leichte Kost vertraut, steht von vornherein fest. Durch die ganzen vierzig Minuten zieht sich eine unheilvolle Atmosphäre aus kalter Elektronik und Industrial und angenehm sphärischen Klängen, die nicht mal eben so zu konsumieren ist, nein, dazu braucht es Zeit, dieses Soundgewand kriecht tief hinein in den Körper und fräst sich mittels diversem Geknatter, Gebrummel, Gefiepe und Getöse in die Hirnwindungen. Das Duo benutzt im Opener undefinierbare, gesprochene Stellen und erschafft ein klinisch kaltes Klanggerüst, um diesem dann am Ende des Stückes fast schon weiche Züge zu verpassen. Doch diese runde Scheibe ist keinesfalls auch inhaltlich eine runde Sache - hier gibt es genug Ecken und Kanten, an denen man sich stößt, dieses Teil ist destruktiv, dunkel und kalt und durchzogen von harschen, brachialen Samples und minimaler Elektronik. Bedrohlich herannahend ist 'The beautiful youth', das mich sehr an November Noevelet erinnert hat, ohne jedoch wie ein Plagiat zu wirken. Man fühlt sich wie in ein riesiges Stahlmonument eingeschlossen, aus dessen Höhe wummernd und hämisch lachend die finsteren Klänge entsteigen, um den geneigten Hörer unter einer frickeligen Atmosphäre zu begraben. Fast schon wohlig beginnt 'Martyrmachine', aber weit gefehlt: Dies ist eine düstere Attacke, die ihresgleichen sucht.

'Schwester Thelesitis' ist ein gelungenes Debüt für Fans von anspruchsvollem und experimentellem Industrial. Wer bereits Produkte aus dem Hause Galakthorroe sein Eigen nennt, sollte hier nicht länger zögern. Das ist mal ein schöner Kontrast zu sinnlosen Veröffentlichungen.

Alexandra Simbrich

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