moderne klangkunst
Radiogeschädigt? Zu viel seichte Popmusik gehört? Ohren voller Schmalz? Da verschaffen Naarmann und Neiteler mit ihrem Waschlappen Abhilfe. Wenn man sich denn also erst einmal gründlich die Ohren gewaschen hat, kann man sich der CD, die sich in jenem Waschlappen befand, widmen: sie heißt „Schwester Thelesitis“ und enthält minimalelektronische, experimentelle Klanggebilde, denen solch wundersame Namen gegeben wurden wie „Erwachen aus einem bösen Traum“, „Wut und negative Gefühle / Der Klostergarten“, „Der schöne Jüngling“, „Genuss der Sünde“, „Die Nebel lichten sich / Der kleine Tempel“ und „Märtyrermaschine“. Die Geschichte des Sündenfalls von Schwester Thelesitis, die in der Musik laut Pressetext erzählt wird, ist zwar überhaupt nicht nachvollziehbar, auch dann nicht, wenn Stimmen sprechen (denn diese sind, wie alle klanglichen Elemente auf dem Album, stark verzerrt), aber das tut der CD keinen Abbruch, denn die monotonen, sich langsam entwickelnden Arrangements aus Industrial-beeinflussten, teils flächigen Maschinensounds üben auf einen durchaus schon allein genug Reiz aus und befriedigen die Lust auf individuelle, unkommerzielle Musik bzw. Klangkonstruktionen.
Falk Lenn
