review lichttaufe

Nun liegt diese Promo-CD schon ein paar Monate auf meinem Tisch und wartet auf eine Rezension. Eigentlich wollte ich sie an einen anderen Redakteur weitergeben, da ich mich nicht so recht in der Lage sehe, diese Art von Musik zu bewerten. Besser gesagt, mir bleibt der künstlerische Output vollends verschlossen.
Vielleicht bin ich doch in meinem Denken zu konservativ oder der zu alten Vorstellung aufgesessen, daß Musik Struktur braucht sowie Leben und Leidenschaft. Hier bin ich mir aber vollends unschlüssig. Natürlich möchte man einen Tonträger, den man selbst nicht versteht, nicht zwangsläufig verreißen. Habe mir die CD oft angehört, immer wieder gehofft hinter das Geheimnis zu steigen. Ich meine, Sequenzer, Effektgeräte und dergleichen kann ja heutzutage jeder bedienen. Aber niemand verdreht doch einfach nur die Regler, schneidet ein beliebiges Brummen zusammen oder lässt mal eben, im zackigen hoch und runter schieben der einzelnen Lautstärkereger, die Töne pulsieren, um das Ergebnis dieser musikalischen Fehlgeburt dann auch noch als "abgefahrenstes Stück Musik in diesem Jahr" anzupreisen. Auch vermute ich hinter "Krasser Industrial oder sphärische Elektronik" wahrlich anderes. Ich möchte den Musikern nicht mal Oberflächlichkeit unterstellen. Aber leider erkenne ich nichts als experimentelles Rauschen, Klicken und Quietschen, das unwillkürlich an elektronische Euthanasie erinnert. Sicher wird es nun Hörer geben, die mich ob meines intoleranten Bewertens verdammen mögen, sicher wird es Hörer geben, die den Sinuswellen tiefe Kunst abgewinnen können; ich kann es aber nicht!
Fazit: Wer einer Geld zählenden Kassierin in einem Supermarkt nebst quietschender Einkaufswagen und scheppernden Flaschen etwas abgewinnen kann, könnte vorsichtig ein Ohr riskieren. Ansonsten kann ich hier kein abschließendes Urteil verfassen. Ich komme mit dieser Veröffentlichung nicht zurecht!
Christian Kapke
