Review Legacy
Gerade erst ist die Fusionierung der Steinebachschen Projekte unter dem Banner COMPEST so richtig gestartet, da kommt mit „Kryptozoologie“ schon der zweite Teil. Nun ist ja bei den Ausgangsprojekten StillStand, Conscientia Peccati und Monoid auch nicht gerade Funkstille angesagt – über mangelnden Output müssen wir uns die letzten Monate nicht beklagen. Track eins beginnt
mit einem einfachen Loop, dessen mögliche Kontinuität durch eine kleine Pause unterbrochen wird. Dazu gesellen sich ein Drone, eine Stimme, Percussion; so entsteht ein Hybrid rituell-synthetischer Art. In Track zwei klingen verzerrte und zerhackte Sprachfetzen durch, ein sich wiederholender,
feierlicher Beat setzt ein und (synthetisierte?) helle Glocken- und Flötentöne kommen hinzu (für den Track wurden Elemente des Stückes ’Traum und Treiben’ vom COMPEST-Debüt „Wrack“ genutzt). Track drei glänzt durch die Leichtigkeit früher Stücke Conscientia Peccatis wie ’Corruptela’; harmonische Tonfolgen und Melodieführung wird von aufgeregt klappernder Percussion
begleitet, Störgeräusche evozieren einen Gegensatz der vom Rhythmus als großer Klammer unter Kontrolle gehalten wird. Track vier verbindet langsame industrielle Beats, Rauschen und Hymnisches. Track fünf lässt mit unheimlichem Brummen und einfachen Melodien schnell Horrorsoundtrackstimmung aufkommen. Auf den unheilschwangeren Spannungsaufbau folgt der Einbruch des
Fantastischen aus dem Nichts: rituell-industrielles Gehämmer, das einem rituellen Ausklang weichen muss. Knappe 46 Minuten erfreut uns die „Kryptozoologie“ mit ihrer besonderen Klang- und Stilverschmelzung, wie wir sie von Martin Steinebach gewohnt sind. Allen Freunden ritueller und ambienter Klänge kann ich dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen.
RH
