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Compest ist ein Projekt des Elektronikmusikers Martin Steinebach. Nachdem dieser sich in verschiedenen Projekten unterschiedlichen Stilrichtungen elektronischer Musik gewidmet hat, soll Compest nun eine Synthese dieser Projekte darstellen.

Als "Kryptozoologie" wird eine Grenzwissenschaft bezeichnet, die sich mit dem Auffinden bisher unbekannter Tierarten beschäftigt. Dazu gehören so "populäre" Vertreter wie der Yeti oder das Ungeheuer von Loch Ness. Der eifrige "Akte X"-Zuschauer kennt darüber hinaus noch weitere solche Wesen, wie den Chupacabra.

Aber zurück zur Musik. "Kryptozoologie" besteht aus fünf Teilen, die jeweils von recht unterschiedlichem Charakter sind. Der erste Teil beginnt gleich mit der effektvollen Kombination von dezent eigesetzten Ethnogesängen (gesampelt) und Industrialrhythmen. Nach einiger Zeit löst sich das Ganze in strukturlose Noise-Klänge auf, zum Schluss setzen dann noch mal die maschinenhaften Rhythmen ein.

Ein ganz anderes Bild bietet der zweite Teil. Glockenschläge erklingen, kleinere Glöckchen kommen hinzu (natürlich alles elektronisch erzeugt) und scheinen eine Art asiatischer Tempelprozession einzuläuten. Schließlich entwickelt sich ein schleppender Rhythmus aus verschiedenartigem Schlagwerk, die Glöckchen klingeln, Trommeln werden geschlagen - man hat den Eindruck, es würde sich ein ritueller Marsch feierlich in Bewegung setzen. Ab und an sind seltsam verfremdete Stimmfragmente zu hören. Dieser Teil erinnert in seiner gleichermaßen feierlichen wie morbiden Atmosphäre etwas an die Musik von László Hortobágyi.

Auch der kurze dritte Teil hat einen gewissen asiatischen Einschlag, ist aber von deutlich entspannterer Atmosphäre. Weiche Rhythmen und luftige Melodien geben diesem Teil ein fast schon pastorales Gepräge.

Der vierte Teil nimmt zunächst die Stimmung des Vorgängers auf. Zu gemächlichen Rhythmen erklingt eine Art asiatisch angehauchtes Menuett. Im letzten Drittel des Stückes schieben sich die Rhythmen ganz in den Vordergrund, plötzlich klingt es nur noch wie das Stampfen einer Maschine, und mit seltsamen Tönen, die an die Sendersuche beim Radio erinnern, endet das Stück.

Im letzen Teil schließlich herrschen düstere Klänge vor. Dunkle Ambient-Klangflächen wechseln sich ab mit harten Industrial-Rhythmen, streckenweise scheint man sich tatsächlich in einer Art akustischer Fabrik zu befinden. Zu guter letzt klingt "Kryptozoologie" aber mit leisen Klaviertönen aus.

Insgesamt ein bemerkenswertes Album für Freunde der etwas avantgardistischeren Elektronik.

Jochen Rindfrey

Einzeleinheit - Label für neue elektronische Musik.
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