Review Club Debil
Ursprünglich gelang es mir kaum, diese CD aus meinem Player zu verbannen, dann kam eine Zeit, in der ich sie nicht mehr erhören konnte und nun folgt die Wiedervorlage zur Rezension. Die anfängliche Begeisterung gründete auf den fein ausgearbeiteten Klangstrukturen, auf den sehr angenehmen und unverbrauchten Klängen an sich. Die zurückhaltenden, atmosphärisch dichten Stücke, die zeitweise an HYBRYDS oder an Projekte aus dem Ordo Catharis Templi-Universum erinnern, entwickelten beim wiederholten Hören einen mächtigen Sog. Selbiger war so stark, dass ich die CD auf ein Tape umkopierte, um die Stücke auch beim Autofahren hören zu können (denn mein Auto besitzt keine CD-Player - ja so etwas gibt es noch!). Das Resultat war verheerend. Nach wiederholtem Genuss kam der Übersättigungspunkt und Compest nervten nur noch.
Nach einiger Abstinenz ein neuer Anlauf die CD durchzuhören, diesmal unter Kopfhörern. Und siehe da: Die wunderbar melodiös-ambienten Stücke entfalten wieder ihren alten Zauber. Offensichtlich wehrt sich das Werk Martin Steinebachs gegen den gedankenlosen Nebenherkonsum. Recht so, denn dafür ist die Musik schlicht und ergreifend viel zu schön. Eigentlich sollte der Künstler einen Katalog mit Mindestforderungen für die Hörsituation seiner "Kryptozoologie" beilegen. Etwa in der Art: "Lehnen Sie sich in Ihrem bequemen Ohrensessel zurück. Ihre Wohnung ist angenehm temperiert. Sie schwitzen oder frieren nicht, sind weder durstig noch hungrig. Setzen Sie die Kopfhörer auf, stellen sich eine Ihnen angenehme Lautstärke ein und starten die CD. Willkommen auf einem Flug durch die Compestosphäre!"
Ullrich Bemmann
