Review Club Debil
Das neue Album von AmP macht genau da weiter, wo die letzten Veröffentlichungen "aufgehört" haben. Mirko Uhlig schert sich einen Scheißdreck um Konventionen und macht, was ihm gefällt. Da treffen comic-artige Sprachsamples auf sphärische Gitarrenklänge, da singt ein Akkordeon seine Klagelieder rückwärts und es zirpen die Grillen dazu. Ein richtiger Fluss will sich nie ergeben, statt in der Musik sich treiben zu lassen, muss der Hörer ständig auf neue Stromschnellen gefasst sein. Die erste Schwierigkeit besteht schon bei der richtigen Wahl der Lautstärke, bei der man sich das Album anhören soll. Während manche eher ambiente Passagen sehr leise daher kommen und das Bedürfnis wecken, den Volume-Knopf eine heftige Rechtsdrehung zu versetzen, lässt sich die verstörende Wirkung knisternder Störgeräusche nur durch die gegenläufige Bewegung dämpfen. Wie bereits schon mehrfach attestiert - AmP machen keine Musik für den ungestörten Konsum. Am ehesten lassen sie sich noch mit Nurse With Wound vergleichen. Wie Steven Stapelton scheint Mirko Uhlig wenig Interesse daran zu haben, einen "typischen" Sound zu erzeugen, sondern vielmehr seine Arbeiten als eine Art Klangforschung zu verstehen. Wer mit ihm auf die Reise geht, der sollte seien Ohren öffnen und auf alles gefasst sein. Die Plattenfirma schreibt über das aktuelle AmP-Album: "Das musikalische Äquivalent zu einer Lavalampe: Warm, wirr, wunderbar." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Ullrich Bemmann
