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Review Lichttaufe


Wer meine Rezensionen ein wenig verfolgt hat, weiß um meine kritische Haltung allzu experimenteller Musik gegenüber.
So fiel auch mein Urteil über das letzte Album von Aalfang nicht wirklich positiv aus.

Diesmal wurde ich stellenweise überrascht. Natürlich, die Musik ist noch immer arg trashig und Titel wie "blumenspuckender penis" zeugen entweder von einer übermenschlichen Kreativität oder nüchternen Momentaufnahmen abgefahrener Drogenexzesse.
Sei's drum, musikalisch abermals minimalistische Klangflächen, die selten eine Struktur erkennen lassen und doch ihren Weg ins Ohr finden (können). Der erste Titel (ich habe 12 seepferdchen in meinem tempel) überzeugt durch sein Mehr an Nichts. Lediglich Sekundenbruchteile verfremdeter Stimmen ergeben hier die Liedstrukur, das gleichzeitig als Einstimmung für die restlichen 42 Minuten dient. Titel Nr. 2 (jaja ungarinyn und nun zur leiche am ufer) ist unterteilt in drei Abschnitte. Die ersten sechs Minuten nerven und dennoch lohnt die Geduld, denn was dann in einfacher Umsetzung mittels falsch gestimmter Akustikgitarre, Wind Chimes und angenehm an Death in June erinnernden Trompetenflächen aus den Boxen quillt, gefällt sehr wohl und bringt neben dem gewollt experimentellen Charme vor allem Harmonien mit. Das dritte Lied (kühe im nebel) offenbart die von mir nicht sonderlich geliebten bruchstückhaften Alltagsgeräusche und weckt kaum Sympathien. Bei Stück Nr. 4 (hohe aquarium) heißt es Boxen ganz laut aufdrehen oder Kopfhörer aufsetzen. Zarte, räumliche, monotone Klangflächen wispern und regen zum Träumen an. Lied Nr. 5 (träumereien in den innereien eins toten sperlings) gleicht in Aufbau und Folge Titel 2. 6 Minuten sind zu erdulden, um einen kurzen Moment so etwas wie Musik zu vernehmen, die aber flux durch experimentelles Gitarrenschrammen torpediert wird. Fühle mich oft an meine Anfangszeit beim Lernen des Gitarrenspiels erinnert. Reminiszenzen sind also inbegriffen.
Die letzten beiden Titel (im erdloch haust eine falsche schlange und dhyana) nähern sich typischen Ambientklängen an und wecken so etwas wie Entspannung beim Hören.

Meine grundsätzlich eher abweisende Haltung solchen Machwerken gegenüber konnte Aalfang mit Pferdekopf abermals nicht umbrechen.
Dafür fehlt mir der für mich wichtige Aspekt der Kunst, das Können. Harmonien, Takte, Intervalle werden selbstbewusst ignoriert und die Essenz dieser kreativen Ergüsse schonungslos veräußert. Natürlich birgt diese Art der Experimentalmusik einen gewissen Reiz, der aber letztlich aus der Brachialität ihrer Nutzlosigkeit hervorgeht und weniger sinnfüllenden Genüssen Rechnung trägt. Letztlich dient diese Art Musik sicher dem schonungslosen Transport künstlerischer Sichtweisen, nicht ohne das Bewusstsein, niemals eine breite Hörerschaft zu erreichen. Diese Rücksichtslosigkeit ist interessant und sollte von Mirko Uhlig, dem Menschen hinter Aalfang nicht aufgegeben werden.

Christian Kapke

Einzeleinheit - Label für neue elektronische Musik.
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