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Review Feindesland


Innovation vor Hörbarkeit!

Es gibt Tage, da würde ich als Rezensent am Liebsten verzweifeln. Die Besprechung dieses Releases raubt mir absolut den Verstand und gleichzeitig auch den letzten Nerv. Ich bin hin und her gerissen - ich weiß einfach nicht, wie viele Punkte ich solch einem Werk geben soll. Soll am Ende ein Verriss stehen oder eine Lobhymne auf die Innovation? Gut, vertagen wir halt diese Entscheidung bis zum Schluß der Review und machen wir als besseren Einstieg, erst mal eine ordentliche Bestandsaufnahme des Tonträgers.

Robert Neiteler dürfte einigen Leserinnen und Lesern des Feindesland.de bekannt sein, durch seine Arbeit am Projekt 'Naarmann und Neiteler'. Das Gemeinschaftsprojekt der beiden Münsteraner ist eine Mischung aus Noise und verschiedenen Soundcollagen. Ich dachte eigentlich, dass die Herren ihre ganze Kreativität bzw. Innovation in ihre Gemeinschaftsarbeit stecken würden - weit gefehlt hier liegen mir die Solostücke von Robert Neiteler vor und wenn ich bedenke, welche Musik aus meinen Boxen dringt, muß ich gestehen, dass ich im Jahr 2003 den Künstlern 'Naarmann und Neiteler' deutlich zu viele Innovationspunkte gegeben habe.

Jetzt zu dem größtem Problem bei diesem Tonträger. Ich habe versucht den Inhalt zu ergründen, aber auch nach einigen Hördurchgängen und Recherchen im Internet bin ich nicht fündig geworden. Ist es vielleicht ein Album ohne Sinn und Verstand? Ist es so gewollt? Gibt es überhaupt ein inhaltliches Konzept, oder soll nur die Musik auf die Hörerin bzw. den Hörer wirken? Alles Fragen, die ich nicht klären kann, vielleicht auch gut, so bleibt der bizarre bzw. obskure Charakter dieser CD erhalten.

Musikalisch ist das Werk "ihbaiklhikö" bestimmt am oberen Rand der Innovationsskala anzusiedeln, wodurch aber der Hörbarkeitsfaktor auf ein Minimum sinkt. Der Soundkünstler hat für dieses Release, die unterschiedlichsten elektronischen Stilrichtungen ausgewählt, um sie miteinander zu verbinden bzw. zu vereinen. Euch diese Soundcollagen zu beschreiben scheint mir fast unmöglich - ich versuche es mit einer Aufzählung aller eingeflossenen Stilrichtungen: stark verfremdeter rhythmischer Noise, Powerelectronics, Goa, Gabba und experimentelle Klänge jeglicher Couleur. Irgendwie will diese seltsame Mischung bei mir nicht zünden bzw. ankommen. Wer sich ganz sicher ist, dass sie bzw. er auf völlig abgedrehte Musik (oder ist es nur eine Abfolge von Samples) steht, muß hier unbedingt zugreifen. Der Rest sollte erst auf der Labelseite von Einzeleinheit zur Verfügung gestellten Soundschnipsel antesten, damit es am Ende (beim Kauf) keine böse Überraschung gibt.

Fazit:
Am Ende dieser Besprechung greife ich das Problem auf, welches mich seit dem ersten Absatz verfolgt. Wie soll eine Rezensentin bzw. ein Rezensent so ein Album bewerten? Ich habe mich für eine Lösung entschieden, die allen Beteiligten gerecht werden dürfte. Bei den Innovationspunkten gibt es keine Diskussion, da stehen 15 Punkte fest und zwar so sicher, wie das Amen an jedem Sonntag in der Kirche. Bei der Gesamtpunktzahl muß ich deutlich eine Menge Punkte, für den nicht vorhandenen Hörbarkeitsfaktor abziehen, somit bleiben am Ende für diesen Bereich nur 5 Punkte übrig. Wem Innovation vor Hörbarkeit geht, muß dieses Album in seinem Schrank haben - eine absolute Kaufempfehlung. Hingegen Hörerinnen und Hörer von klar definierten Strukturen sollten die Finger davon lassen - das Fiasko wäre vorprogrammiert bzw. abzusehen.

Raphael Feldmann

Einzeleinheit - Label für neue elektronische Musik.
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