Blacklight
Naarmann & Neiteler - das klingt ganz nach einem im Techno- oder Electronica-Sektor angesidelten DJ-Duo, welches innovativen, tanzbaren Electro-Sound produziert. Nun, was die Innovation angeht, liegt man mit dieser Mutmaßung nicht verkehrt, was die Tanzbarkeit angeht hingegen schon, denn hier fiept, zischt und grollt es in bester Experimental-Industrial Manier.
Hinter dem Namen verbirgt sich das Künstler-Duo Robert Neiteler und Naarmann, beide aus dem Raum Münster stammend und seit geraumer Zeit von der Erzeugung elektronischer Klangwelten jenseits aller Hörgewohnheiten begeistert. Beide sind als Einzelkünstler oder eben im Doppelpack für das junge Underground-Label Einzeleinheit aktiv, welches sich zum Ziel gesetzt hat "wirklich individuelle Musik an der Trennungslinie stilistischer Kategorien" zu veröffentlichen, wofür kurz der Begriff "Schnittstellenmusik" geprägt wurde.
"Schnittstellenmusik" wird definiert als "an der Schnittstelle mindestens zweier musikalischer Gattungen - Industrial, Elektronik, Noise, Klassik - Keine Kreuzung, sondern selbstreferierend im Sinne einer vollständigen Neuartigkeit." und irgendwie trifft diese Beschreibung auf das Album "Schwester Thelesitis" auch zu. Von kommerziellen Absichten der Künstler kann bei diesem Sound jedenfalls nicht die Rede sein, denn der Sound ist alles andere als gewöhnlich oder gar massenkompatibel. Das impliziert natürlich bereits, dass man entweder Freak oder ausgesprochen tolerant und offen für Neu- bzw. Andersartiges sein muß, um diesem Album etwas abgewinnen zu können.
Sechs Titel sind auf dem Werk enthalten, deren Namen man wahlweise in deutsch oder englisch präsentiert bekommt. Der Opener heißt beispielsweise "Erwachen aus einem bösen Traum" oder "Awakening from a bad dream". Das Stück walzt sich mit schrägen Fiepstönen, hintergründig wabernden Sequenzen und seltsamen Sprachsamples in den Gehörgang und ist durchaus interessant anzuhören, bringt allerdings wenig Hörvergnügen mit sich. Kein leichtverdaulicher Stoff zum nebenbei hören, was auch auf die übrigen 5 Tracks zutrifft, wengleich das Album zum Ende hin ein wenig eingängiger wird. Track 4, "Genuß der Sünde" hält beispielsweise gar Passagen bereit, die man als ansatzweise "schön" bezeichnen kann, das Nachfolgende "Die Nebel lichten sich/Der kleine Tempel" hingegen wirkt sehr abstrakt, lebt vor allem von dumpfem Grollen und gleicht einer industriellen Klangcollage, gespickt mit Samples, die gut einer außerirdischen Lebensform entlockt sein könnten.
"Schwester Thelesitis" entpuppt sich somit als höchst befremdliches Hörerlebnis, dass selbst für Fans von Klaus Schulze und Tangerine Dream noch eine Hürde bedeuten dürfte, die man bei Interesse nehmen kann oder es eben auch lassen. Hörbeispiele gibt es auf der Website des Labels, wo die CD dann auch, bei Gefallen oder ausreichender Neugierde, bestellt werden kann.
Marco Schwiers
